Gefahren in der eisigen Zeit

Gefahren in der eisigen Zeit



Kälte und Frost in den Wintermonaten lassen an vielen Stellen im Land Teiche und Seen, sogar manche Bäche und Flüsse zufrieren. Meist werden diese Eisflächen von Kindern zum Spielen genutzt oder Schlittschuhlaufen. Jedoch bergen diese Eisflächen erhebliche Gefahren. Die Tragfähigkeit der Eisdecke ist schwer einzuschätzen, und sie kann stark variieren. Immer wieder kommt es auf solchen Eisflächen zu Unfällen. Wiederholt sind davon Kinder betroffen, die sich der Gefahr noch nicht bewusst sind.

Eine solche Eisrettung gestaltet sich nicht immer angenehm und birgt verschiedene Gefahren. Hierbei sind einige Dinge zu beachten. Mit diesem Hinweis möchten wir Ihnen wichtige Hilfe zur Problemlösung solcher Einsatzlagen geben.

In das Eis eingebrochene Personen kühlen sehr schnell aus. Bei einer Wasser-
temperatur von 0° C liegt die Überlebenszeit eines Eingebrochenen unter 30 min! Mit zunehmender Unterkühlung setzen bei dem Opfer Muskelstare und Bewusstseins-
eintrübungen ein (ab ca. 33° C Körperkerntemperatur). Eine Selbstrettung ist in vielen Fällen nicht möglich, weil jegliche Haltemöglichkeiten, um sich aus dem Eisloch herauszu ziehen, fehlen und/oder die Eiskante beim Versuch sich darüber zu schieben abbricht.

Rettung vom Ufer
Erste Maßnahme an der Einsatzstelle ist, dem Verunfallten ein Seil zuzuwerfen, an dem er sich festhalten und ggf. schon aus dem Wasser gezogen werden kann. Förderlich hierbei ist, dass der Retter sich nicht auf die Eisfläche begeben muss. Als Wurfleine kann man hierzu eine Feuerwehrleine verwenden. Hierbei wird die Feuerwehrleine mitsamt dem Beutel geworfen. Das Leinenende ist zuvor zu sichern. Der Feuerwehrleinenbeutel wird jedoch nicht auf die Person sondern über die Person hinweg geworfen. Die mögliche Wurfweite liegt hier bei rund 10 m.

Rettung auf der Eisfläche
Aufgrund der Unterkühlung ist nie klar, in wie weit der Eingebrochene die Rettung noch unterstützen kann. Es ist immer eine Rettung des Eingebrochenen am Eisloch vorzubereiten.

Oberster Grundsatz bei einer Rettung auf der Eisfläche ist: Niemand betritt die Eisfläche ohne eine entsprechende Absicherung! Niemand betritt die Eisfläche ohne Eigensicherung!

Schutzausrüstung
Zur Eigensicherung gehören bei einer Eisrettung mindestens:

Leinensicherung (und Rettungsweste):
Alle Personen, die die Eisfläche betreten, sind mit einer Leine zu sichern. Hierfür eignet sich z.B. die Feuerwehrleine. Die Feuerwehrleine kann direkt mit Hilfe des Brustbundes oder an einem Auffanggurt am Retter befestigt werden. Auf den ersten Blick scheint es, als sollte der Anschlagpunkt der Sicherungsleine sich auf dem Rücken des Retters bfinden, da dieser sich auf dem Eis meist liegend auf dem Bauch fortbewegt. Dies ist aber nicht so. Bricht der Retter ein und muss aus dem Eisloch gezogen werden, so muss dies über den Bauch und nicht über den Rücken des Retters erfolgen! Nur so kann der Retter seine eigene Rettung aktiv  unterstützen. Achtung: Der Brustbund darf hierbei niemals auf dem Rücken angelegt werden. Es kommt sonst zur Strangulation des Retters.

Die Helfer an Land, welche die Leinenenden sichern, sollen wasserfeste Schutzhandschuhe tragen. Mit bloßen Händen kann eine nasse Leine bei diesen Witterungsverhältnissen nicht richtig gehalten werden! Hierzu bieten sich z.B. die Öl und chemikalienbeständigen Handschuhe an.

Rettungsweste:
Bei Feuerwehreinsätzen an und auf dem Wasser sehen die Berufsgenossenschaften das Tragen von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Ertrinken als obligatorisch an. (vgl.: BGR 201: Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Ertrinken) Die eingesetzten Rettungswesten müssen mindestens über 150 N Auftrieb verfügen.

Achtung: Die Rettungsweste wird immer über der Leinensicherung getragen! Die Leinensicherung könnte sonst das Entfalten der Rettungsweste behindern.

Grundsätzlich wird eine Rettungsweste nicht in Kombination mit einem Feuerwehrhelm getragen! Die Rettungsweste schiebt durch den Auftrieb im Wasser den Helm nach oben; es kann so zu Strangulationsverletzungen durch den Trageriemen des Helms kommen. Aus diesem Grund soll bei einer Eisrettung am Wasser und auf dem Eis auf das Tragen eines Helms verzichtet werden. Dies gilt jedoch nicht z.B. für das Herabnehmen von Leitern am Fahrzeug oder das Arbeiteten mit einer Motorsäge auf dem Eis.

Bei einer Eisrettung ist der Retter mindestens auszurüsten mit: Einer Leinensicherung und darüber einer Rettungsweste. Der Retter trägt grundsätzlich keinen Feuerwehrhelm.

Zusätzliche Schutzausrüstung:
Falls vorhanden, ist ein Kälteschutzanzug eine sinnvolle Ergänzung. Als Kälteschutz kann ein Tauchanzug oder ein Überlebensanzug genutzt werden. Überlebensanzüge sind speziell für den Seenotfall konzipierte Anzüge, welche den Träger vor einem Auskühlen bei längeren Wasseraufenthalten schützen sollen. Ein Überlebensanzug hat, ebenso wie ein Tauchanzug, zwar in der Regel einen eigenen Auftrieb, jedoch ersetzen beide nicht die Rettungsweste! Ist ein solcher Schutzanzug nicht vorhanden, so soll der Retter mindestens mit wasserfesten Handschuhen ausgestatten werden, um das nasse Opfer besser greifen zu können. Darüber hinaus ist bei kalter Witterung das Tragen einer Mütze oder einer Feuerschutzhaube sinnvoll.

Rettungstechnik
Um bei einer Rettung nicht selbst sofort einzubrechen ist das Gewicht des Retters auf eine möglichst große Fläche zu verteilen. Aus diesem Grund wird niemals im Stehen vorgegangen. Der Retter robbt im Liegen zu dem Verunfallten hin. Unterstützen kann man diesen Effekt, indem man zusätzlich Hilfsmittel einsetzt.

Am besten eignen sich hierfür die Steckleiterteile (oder Schleifkorbtrage). Der Retter bewegt sich auf der Eisfläche voran, indem er mit der Leiter sein Gewicht auf der Eisdecke verteilt und die Leiter in Richtung des Eingebrochenen schiebt, auf die Leiter umsteigt, nun die Leiter vorschiebt und das Ganze wiederholt. Die Steckleiterteile werden mit einer Leine gesichert. So kann von Land aus die Rettung des Eingebrochenen aus dem Eisloch unterstützt werden und der Gerettete bzw. der Retter schnell ans Ufer zurückgezogen werden. Anstelle der Leiterteile (Schleifkorbes) kann prinzipiell auch ein Rettungsbrett (Spineboard) eingesetzt werden. Jedoch kommt es durch die flache Ausführung des Rettungsbretts am Knoten des Sicherungsseiles zu einer Punktlast was sich ungünstig auf die Gewichtsverteilung auswirkt.

Sofern der Verunglückte die Rettung noch aktiv unterstützen kann, kann ihm an der Einbruchstelle das Steckleiterteil zugeschoben werden. Der Verunglückte kann sich daran festhalten und mit Unterstützung vom Land aus dem Eisloch gezogen werden. Ist der Verunglückte durch die fortschreitende Unterkühlung nicht mehr in der Lage die Rettung aktiv zu unterstützen, so muss der Retter den Verunfallten aus dem Wasser ziehen. Dies lässt sich unter Umständen mit Hilfe einer Bandschlinge (vgl. Atemschutzeinsatz) erleichtern. Der Retter soll hierbei immer über die Sicherungsleine von Land aus unterstützt werden, da er selbst nie einen festen Stand hat.

Eine weitere sehr schnelle und einfache Möglichkeit auch größere bzw. schwerere Personen aus dem Wasser zu ziehen funktioniert mit Hilfe des Schleifkorbes. Hierbei wird der Schleifkorb entlang des Verunfallten zu ca. 2/3 in das Wasser geschoben. Mit Hilfe des noch herausragenden Drittels wird der Schleifkorb an der Eiskante in die Waagrechte gebracht und dann an der Sicherungsleine mitsamt dem
Eingebrochenen aus dem Wasser gezogen. Bei dieser Technik kommt es beim Kippen des Schleifkorbes zu einer Belastung der Eiskante.

Diese Belastung ist jedoch aufgrund des Auftriebes im Wasser nicht allzu hoch (ca. 50 N – entsprechen 5 kg bei einem erwachsenen Menschen). Zu diesem Wert kommt noch der Wasserwiderstand bei der Kippbewegung. Um diesen möglichst gering zu halten, ist der Schleifkorb langsam und vorsichtig zu kippen. Wird der Verunglückte mittels Schleifkorb aus dem Wasser gerettet, so ist dieser, um die Belastung auf die Eiskante zu minimieren, sehr vorsichtig aus dem Wasser zu kippen.

Unabhängig von der Art und Weise wie der Verunglückte aus dem Wasser gerettet wird, ist die Phase, in der der Eingebrochene zurück auf die Eisfläche gelangt die gefährlichste Phase der Rettung. Es kann immer passieren, dass das Eis gerade hierbei erneut bricht! Aus diesem Grunde soll sich der Retter in dieser Phase soweit wie möglich von der Eiskante entfernen und besonders umsichtig sein.

Achtung: Der Moment, in dem der Verunfallte zurück auf die Eisfläche gelangt ist der gefährlichste Moment der Rettung! Der Retter soll hierbei soviel Abstand als möglich zur Eiskante halten.

Ist ein sicherer Aufstellort (Standfestigkeit) am Gewässer vorhanden, so kann auch eine Drehleiter zum Einsatz kommen. Diese eignet sich insbesondere um den Eingebrochenen besser zu erreichen bzw. vom sicheren Korb aus die Rettung einzuleiten. Die Rettung an sich kann nur mittels einer Drehleiter erfolgen, wenn dies der Zustand des Patienten auch zulässt.

Quelle: RETTUNG 03-2013