Löschrucksäcke und deren Einsatzmöglichkeiten

Löschrucksäcke und deren Einsatzmöglichkeiten

„Das brauchen wir nicht! Das haben wir schon immer so gemacht! Wo kommen wir denn da hin?“ und „So ein Quatsch!“ So, oder so ähnlich hört es sich in vielen deutschen Feuerwehren an, wenn neue Techniken oder Taktiken speziell aus den USA über den Ozean herüberschwappen. Mit einem gesunden Maß an Skepsis gilt es in der Tat genau zu überprüfen, ob das Fremde im eigenen Land aufgegriffen und adaptiert werden kann. Während Löschrucksäcke in vielen Ländern ein bewährtes Einsatzmittel darstellen, sind in Deutschland noch viele skeptisch, wo die Vorteile gegenüber der Kübelspritze oder anderen Kleinlöschgeräten liegen.

Überraschend klein ist der zusammengefaltete Löschrücksack eines kanadischen Herstellers, der aus einem robust erscheinendem Kunststoffgewebe in LKW-Planenqualität besteht (Polyester mit Thermoplastüberzug), wenn er beim Kunden ankommt. Gerade einmal 1,8 kg wiegt das Kleinlöschgerät im leeren Zustand. Einsatzbereit stehen dem Träger aber bis zu 19 Liter Wasser zur Verfügung, die er je nach Bedarf relativ zielgenau über eine Handpumpe ausbringen kann. Die solide Kolbenpumpe saugt bei jedem Ausziehen der Kolbenstange ca. 80–90 ml Wasser an und gibt dieses in Anhängigkeit der Pumpkraft (Geschwindigkeit beim Einfahren der Kolbenstange) problemlos bis zu 5 m ab. Im Einsatz dürften Nahdistanzen bis zu 3 m aber weitaus praktischer sein. In diesen Bereichen hat sich der Wasserstrahl leicht aufgefächert und erleichtert das gezielte Ablöschen. Dank der Rückentragegurte, die an den Schulterbereichen verbreiterte Auflageflächen besitzen, lässt sich der gefüllte Rucksack, der immerhin fast doppelt soviel Wasser wie eine Kübelspritze enthält, relativ gut tragen. Das Gewicht wird gut auf dem Rücken verteilt, bei längeren Anmarschwegen speziell in schwierigem Gelände aufgrund fehlender Polsterungen aber nicht optimal aufgefangen.

Löschrucksäcke sind kein unnötiger Luxus für Feuerwehren, die schon alles haben, sondern eine sinnvolle Ergänzung der Ausrüstung für die Wald- und Flächenbrandbekämpfung. Dies hat auch der DFV erkannt und in seiner Fachempfehlung Nr. 2 vom 19. Mai 2009 "Sicherheit und Taktik im Waldbrandeinsatz" Löschrucksäcke bzw. Rückentragespritzen ausdrücklich erwähnt. Noch sind sie in Deutschland allerdings nicht weit verbreitet, ihre Feuertaufen haben Löschrucksäcke aber speziell bei Feuerwehren mit großen Höhenunterschieden im Relief also im Hochgebirge oder in exponierten Mittelgebirgslagen auch in Deutschland bereits bestanden.

In Kombination mit wendigen D-Leitungen ist das Einsatzpersonal äußerst beweglich und für das typische deutsche Bodenfeuer optimal ausgerüstet. Auch gerade kleine Feuerwehren, die den Erstangriff vortragen und vielleicht nur über 500 l Wasser verfügen, können mittels Löschrucksack dort ihr Wasser einsetzen, wo es gebraucht wird. Im Sinne eines Erstangriffes kann der Löschrucksack auch bereits eingesetzt werden, bevor die Angriffsleitung steht. Die sog. Backpacks können speziell für kleine Feuerwehren, die nur über ein TSF(-W) oder LF 10/6 verfügen eine deutliche Einsatzwertsteigerung bewirken. Wenn die 19 Liter Wasser dann noch mit Schaummittel versetzt werden, und dann das Löschmittel als Netzwasser ausgebracht wird, ist die Löschwirkung noch einmal signifikant erhöht. Die notwendige Schaummittelmenge, die für eine Rucksackfüllung Wasser notwendig ist, lässt sich leicht in kleinen 50 ml Weithalsflaschen aus PE mitführen und kann dann über die große Befüllöffnung dem Löschwasser beigemischt werden. Die große Befüllöffnung und das eingebaute Grobsieb erlauben übrigens auch eine Befüllung in flachen Bächen oder Seen.

Seine Vorteile spielt der Löschrucksack vor allem in unwegsamem und steilem Gelände aus. Während das Tragen einer Kübelspritze dort zu einem artistischen Unterfangen wird und eine Hand der Einsatzkraft dauerhaft bindet, kann die mit einem Löschrucksack und Absturzsicherung ausgerüstete Kraft äußerst agil auch in schwierigem Gelände agieren. Glutnester und sog. spotfire können ohne weiteres mit dem Löschrucksack liquidiert werden, sodass dieses Kleinlöschgerät ideal für Nachlöscharbeiten, zur Absicherung von Feuerlinien oder zur Kontrolle von flugfeuergefährdeten Bereichen geeignet ist. Die Spezialisten von @fire konnten bei einem Auslandseinsatz in Portugal mittels Löschrucksack durchzündende Sträucher und Bäume, die eine Flammenlänge von 2 und mehr Metern erreichten, sehr effektiv bekämpfen. Der Einsatzwert lässt sich durch sinnvolle Zusatzausrüstung noch steigern. So bietet der Hersteller eine Füllstation, die man dank der verwendeten Gardena-Gartenschlauchanschlüsse auch einfach selbst erstellen kann. Mittels Übergangsstück von Storz auf Gartenschlauchanschluss lässt sich der Löschrucksack nach dem Abkuppeln der Kolbenpumpe einfach und schnell befüllen, ohne das der Rucksack abgelegt werden muss. Vorteil der Füllstation des kanadischen Herstellers ist aber die Möglichkeit, diese als sog. "Wasserdieb" überall in eine  C-Leitung einzukuppeln. Lange Wege zurück zum Verteiler oder Fahrzeug können somit entfallen.

Wir leben in Zeiten der Veränderung. Die großen Themen sind der Klimawandel, der in Zukunft die Wald- und Flächenbrandgefahr auch in weiten Teilen Deutschlands erhöhen wird und der demografische Wandel, der das System der Freiwilligen Feuerwehren zukünftig vor große Herausforderungen stellt. Ein erhöhtes Gefahrenpotential steht hierbei einer Reduzierung der verfügbaren Einsatzkräfte gegenüber. Es wird zukünftig also noch mehr auf den einzelnen ankommen;  es wird mehr von ihm verlangt werden. Gemäß dem schon bereits geflügelten Wort von der Taktik und Technik (Taktik ohne Technik ist hilflos. Technik ohne Taktik ist sinnlos!) müssen also Einsatzmittel zur Verfügung gestellt werden, die die Schlagkraft der Einsatzkräfte erhöhen. Taktische Probleme ergeben sich bei Löschrucksäcken nicht, da diese gemäß den geltenden Dienstvorschriften analog zu anderen Kleinlöschgeräten eingesetzt werden können. Es muss aber deutlich gesagt werden, dass Löschrucksäcke keinen Ersatz für eine Kübelspritze darstellen. Während das Arbeiten mit der Kübelspritze im Zweifelsfalle unter PA erfolgen kann, besteht diese Möglichkeit für den Träger eines Löschrucksacks nicht mehr. Auch die höhere Wasserabgabe der truppweise einzusetzenden Kübelspritze ist ein deutliches Unterscheidungskriterium.

Es bleibt zu hoffen, dass Löschrucksäcke in der nahen Zukunft eine weitere Verbreitung bei den deutschen Feuerwehren erfahren. Mit Blick zurück sind viele „neue“ Gerätschaften der Vergangenheit heute zu einem festen Bestandteil unserer Ausrüstung geworden. Hand aufs Herz - wer möchte sich heute noch von so bewährten Dingen wie Schlauchtragekörben, Hohlstrahlrohren oder hydraulischen Rettungsgeräten trennen? Wie sich die Akzeptanz von Löschrucksäcken in den nächsten Jahren entwickelt, wird der Anwender in der Praxis entscheiden.

Löschrucksäcke sind keine Konkurrenz für die Kübelspritze, sondern eine sinnvolle Ergänzung zur Wald- und Flächenbrandbekämpfung. Sog. spotfire, die durch Flugfeuer entstehen, können mit Löschrucksäcken meist wesentlich schneller gelöscht werden, als durch das Verlegen von Schlauchleitungen.
Damit der Träger des Löschrucksacks nicht immer die Handpumpe festhalten muss, kann diese am Schultergurt in einen Karabiner eingehängt werden. So kann die Einsatzkraft  mit einer Waldbrandaxt z.B. Glutnester freilegen... Damit bei diesen Arbeiten nicht ungewollt die Kolbenstange ausfährt, kann diese mittels Gummizug fixiert werden.

 

Text und Fotos: Dr. Steffen Patzelt