Intensive diskussionen Personalrat
Intensive diskussionen mit dem Personalrat Zum Part der Überzeugungsarbeit gehörte auch eine intensive Diskus- sion mit dem Personalrat, der den Schutz der Mitarbeiter extrem hoch ansetzte. Aufgrund der vielen Übungseinheiten unter Atemschutz und Bereitstellungszeiten mit angelegtem Pressluftatmer (PA) forderte der Personalrat längere Ruhezeiten. Nach Feuerwehrdienstvorschrift 7 muss auf 60-Minuten-PA-Einsatz eine zweistündige Ruhepause folgen. Das Problem konnten wir durch Umstellungen bei den Ausbildungseinheiten aber inzwischen ausräumen, so Prell. Andere Kritiker, die meinten, die Gründung der A.N.T.S. sei überflüssig, halfen ungewollt bei deren Weiter- entwicklung. Prell: Die haben natürlich immer Fragen gestellt, die uns geholfen haben, uns weiter zu verbessern. Als gewöhnungsbedürftig bezeichnen es die Verantwortlichen, den Bür- gern die Bereitstellung der A.N.T.S.-Mannschaft an der Einsatzstelle er- klären zu müssen. Wenn da ein Gebäude brennt und eigentlich jeder alle Hände voll zu tun hat, ist es für den Laien unverständlich, wenn da sechs Feuerwehrleute scheinbar nur zuschauen, sagt Prell. Genau genommen schauen noch zwei weitere Einsatzkräfte nur zu denn der eigentliche Rettungstrupp existiert in Berlin parallel weiter, jeder PA-Träger wird auch ein Atemschutz-Notfall-Training (ANT) absolvieren. Grundsätzlich wird bei jedem Atemschutzeinsatz der reguläre Zwei-Mann-Sicherheits- trupp gestellt, der bei besonderen Lagen um die A.N.T.S. ergänzt wird. In begründeten Einzelfällen kann der Einsatzleiter auf den regulären Sicher- heitstrupp zugunsten der A.N.T.S. verzichten. Eine Zusammenarbeit mit dem üblichen Rettungstrupp hält man in Berlin nicht für sinnvoll, weil die zusätzliche Kommunikation mit den nicht entsprechend ausgebildeten Kameraden als eher hinderlich gilt. Zum Üben auf den Flughafen Etwa einmal pro Woche kommt es vor, dass eine der drei Staffeln zu ei- nem Einsatz in Bereitstellung alarmiert wird. Die A.N.T.S. wählt dafür einen strategisch günstig gelegenen Zugang zum Brandobjekt. Im Real- fall hat das Auffinden des Verunglückten oberste Priorität. Danach steht das Luftspenden an erster Stelle. Erst wenn die Versorgung gesichert ist, haben wir die Zeit, um uns über die geeignete Rettung Gedanken zu machen, sagt Prell. Verschiedene Varianten (schonend, Crash) werden dabei immer wieder geübt. Die Entwicklung bei uns geht immer weiter, wir sind noch lange nicht am Ende, berichtet Christoph Stiller, der als Wachabteilungsleiter an der Feuerwache Neukölln auch in der Funktion des A.N.T.S.-Staffelführers aktiv ist. Wir stoßen immer wieder auf neue Geräte oder bemerken bei unseren Übungen, wie wir Dinge verbessern können. So flog die Atemschutzmaske, die standardmäßig im RIT-Bag da- bei ist, kurzerhand raus. Aus Herstellersicht mag es wegen des Verkaufs positiv sein, die Maske mit reinzupacken. Aber wer setzt eine Atemschutz- maske bei einem Atemschutznotfall dem verunglückten Kameraden dicht abschließend auf?, fragt Stiller. Außerdem reicht die träge Atmung ei- nes Bewusstlosen oft nicht aus, um den Lungenautomat zu heben, weiß Prell. So kam die wesentlich leichter zu handhabende Rettungshaube ins RIT-Bag. Auch an jedem Zwei-Flaschen-Gerät klemmt eine Respi Hood. Denkprozesse stoßen wir immer wieder an, um noch besser zu werden, sagt Stiller. Nachdem das System in der deutschen Hauptstadt mittlerwei- le als akzeptiert gilt, informieren die Berliner auch immer öfter andere Feuerwehren im In- und Ausland über ihr Konzept. Außerdem hospitieren regelmäßig Feuerwehrleute aus anderen Städten in Neukölln. Die Ham- burger Feuerwehr denkt bereits über ein Vier-Mann-Konzept nach, plant aber zwei Trupps von zwei Hamburger Löschfahrzeugen zu kombinieren. crash-Rettung und andere Schwierigkeiten Im Schönefelder Brandhaus hat die A.N.T.S. nach dem Mayday den Angriffs - trupp zügig aufgespürt. Es ist ein Irrglaube, dass ein Trupp immer am Ende seines Schlauches zu finden ist. Das hat sich bei vielen von uns ausgewer- teten Atemschutznotfällen gezeigt, sagt Prell. Seine Männer wechseln die Atemschutzmaske in Rekordzeit gegen die Rettungshaube, stellen die Luftversorgung sicher und binden das RIT-Bag zwischen den Beinen des Kameraden ein, sobald dieser auf dem Spineboard liegt. Der Druckschlauch der Reserve-Atemluftflasche aus dem RIT-Bag kann mittels Karabinerhaken in einen an der neuen PBI-Schutzkleidung aller Berliner Feuerwehrleute vor- handenen zweiten Karabiner eingeklinkt werden. Das klappt auch bei Null- sicht zuverlässig, erklärt Stiller. Dann geht es auf dem kürzesten Weg hinaus. Wenn es ganz schnell gehen muss, kommt die Crash-Rettung zum Ein- satz, sagt Cheftaktiker Dirk Prell. Dabei werden die Füße des Betroffenen mit einer Bandschlinge eng zusammengebunden und das RIT-Bag wieder zwischen den Beinen abgelegt. Am nun nach oben zeigenden Ende der Tasche gibt es zwei Bandschlingen, deren Enden fest am Boden der Ta- sche verschraubt sind. Unter den Schultern hindurch gekreuzt kann der Verunglückte an den Bandschlingen auf seinem eigenen Atemschutzgerät liegend in Sicherheit gezogen werden. Zur modifizierten Ausstattung des RIT-Bag gehören auch Fällkeile von Stihl, die nach Einschätzung der Ber- liner praktischer als Holzkeile sind. Um Bebänderungen schnell kappen zu können, kam das Schneidgerät S-Cut dazu. Ähnlich einem Gurtmesser wird es gezogen es ist allerdings extrem scharf. Der D-Schlauch ist alle fünf Meter mit roten Streifen markiert. So kann der Staffelführer außerhalb des Objekts sofort erkennen, wie weit sein Trupp bereits ins Gebäude eingedrungen ist. Dank der Nutzung von Zwei-Flaschen-Geräten für die A.N.T.S. könnte der Vier-Mann-Trupp je nach Eindringtiefe etwa 40 Minuten Einsatzzeit in ei- nem Gebäude verbringen. Mit unseren Ein-Flaschen-Geräten waren wir nicht ausreichend gut versorgt, berichtet Christoph Stiller. Nachteil: Weil die Staffel komplett ausgerüstet in Bereitstellung steht, zehrt das an den Kräften der Feuerwehrleute. Ein besonderer Aspekt der Ausbildung ist die richtige Einstellung für die Aufgabe innerhalb der A.N.T.S. Man muss auch mental in der Lage sein, vernünftig zu funktionieren, wenn es um die Rettung eines Kollegen geht, sagt Thomas Kirstein. Das kann natürlich eine Staffel wie wir, die nicht so engen Kontakt hat wie der üb- liche Rettungstrupp, besser. Weitere Wachen als A.N.T.S.-Standort halten die Macher für unverhältnismäßig. Nach dem Mayday-Ruf im Schönefelder Brandübungshaus dauert es durchschnittlich zehn bis 15 Minuten, ehe der verunglückte Trupp von der A.N.T.S. gefunden, versorgt und gerettet ist. Die PA-Träger in Berlin können im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen mit dieser Truppe in der Hinterhand. Timo Jann (Text und Fotos) Die Vorbereitungen zum Einbinden auf ein Schnellrettungssystem, das gerade in Berlin getestet wird, laufen. BRANDBEKÄMPFUNG 43